Hans

06.05.2017

Lieber Sergio – da ist dir ein Hit gelungen! Ganzganzganz herzlichste Gratulation! Das ist von der ersten bis zur letzten Seite wirklich ganz toll gelungen! Und am Eindrücklichsten ist deine selbstkritische Offenheit und damit deine schier übergrosse Bescheidenheit! Das ist grossartig! Ich habe es mir gestern gekauft und wirklich in einer Nacht durchgelesen; wegen unserer Flussreise mit dem Schwager konnten wir ja nicht selber an der Vernissage sein. L. hat uns kurz von der grossen Menschenmenge im «Weissen Wind» berichtet.

Natürlich hat es mich sehr beschäftigt, dass wir in unserer wunderschönen gemeinsamen Wohnzeit nicht darüber geredet haben, resp. dass ich dich nicht mehr gefragt habe… Aber vielleicht war es damals einfach auch noch nicht der Zeitpunkt. Umso wichtiger für dich und für deine Umwelt, dass du jetzt geredet hast (und weiter reden wirst)! Es ist auch ganz besonders, dass deine massgebende Arbeit i schweizerischen Heimwesen nochmals einmal aufgewertet wird, weil du wohl der einzige gewesen bist in der Szene, der das alles erlebt und erlitten hat!

Eine besondere «Farbe» in deinem aufwühlenden Bericht bekommt dein verzweifeltes Suchen nach der Mamma und der Familie – ich erinnere mich, wie du mehr als einmal ganz kurz davon erzählt hast, auch, wie eure damaligen Kinder eine gute Beziehung nach Melide hatten. Das jetzt im lebenslangen Zusammenhang zu lesen, stellt alles nochmals ein ganz anderes Licht. Wunderschön auch, wie du dem Vreni alle erdenkliche Wertschätzung und Liebe entgegenbringst in deinem Buch – da fiel dann halt doch auf, dass wir ja unmittelbar nach Vrenis Tod und Beerdigung weggezogen sind und dass wir so nicht Anteil nehmen konnten an all dem Schweren, das du und ihr damals zu bearbeiten und zu verarbeiten hattet. Das tut mir im Nachhinein sehr leid.

Was mich ebenfalls beeindruckt hat, ist, mit welcher Souveränität du mit Gott hilft und D. umgehst – nach allem, was du da erfahren musstest, ist das eine grosse Tat von dir! Klar, ehrlich, aber ohne ein unnötiges Adjektiv, das Erzählte ist empörend genug, es muss nicht unterstrichen werden. Aber das braucht viel innere Stärke, und die zeigst du auch hier

Sei ganz herzlich gegrüsst und bis hoffentlich bald.