Viktoria

30.05.2017

Lieber Sergio,

anfangen möchte ich mit deiner zu tiefst berührenden Lesung vom 26.4.2017. Trotz des schweren Leids empfand ich die Lesung als Befreiungsschrei. Auf alle Fälle setzte ich mich hinterher ins Auto und verspürte eine imense Kraft. Deine Transformation war spürbar. Dein langes Schweigen über deine Vergangenheit und nun das plötzliche Outing im Buch, dass du der Öffentlichkeit zugänglich machst. Ein grosser und mutiger Schritt mit deiner Geschichte rauszugehen, ein Teil persönlicher Verarbeitung, die wohl nie ganz abgeschlossen sein wird und "wertvoll" gesellschaftspolitisch gesehen, Gegebenheiten zu Papier zu bringen, die Geschehen sind und Gehör finden müssen. Du wirst anderen Betroffenen damit helfen über ihre schicksalshafte Vergangenheit zu reden und Nichtbetroffene aufrütteln.
Ich habe es gelesen, dein Buch "Heimweh- vom Heimbub zum Heimleiter", aber ich musste es in vielen kleinen Etappen lesen.
Es war keine leichte Kost, so wie auch dein Leben. Ich habe dabei wohl einen ganzen See mit Tränen vergossen: Meine Tränen, wie auch deine ungeweinten Tränen.
Es hat mich alles tief bewegt und ich habe mich auch bewegen lassen. Dass du in so einer kalten Welt überleben konntest, grenzt für mich an ein Wunder, beweist aber auch, dass du eine starke Persönlichkeit bist, die ich übrigens immer sehr schätzte. Für mich warst du 
immer eine Respektsperson mit Charisma, aber dennoch mit einem weichen Kern und Herz.
Ich finde es entsetzlich, dass du so Schweres durchmachen musstest. Immer wieder bekam ich das Gefühl beim Lesen, dass muss doch jetzt mal alles gewesen sein und immer wieder folgte ein erneuter Schicksalsschlag.
Um so mehr bewundere ich, dass du Heimleiter wurdest und weitaus mehr als Empathie den Jugendlichen gegenüber geben konntest.
Es war deine Vergangenheit im Heim, die du mit ihrer Gegenwart im Heim "teiltest". Und sowit hast du die Schenkung Dapples auf eine besondere, engagierte Art und Weise geführt.
Ich danke dir von Herzen für deine Offenheit!